Podiumsdiskussion

Denken zwischen Ästhetik und Ökonomie.
Zur Lage des Feuilletons

Freitag, 27. November 2015 | 19:00 – 21:00 Uhr
Kunsthaus Graz Space04, Lendkai 1, 8010 Graz

Der Verleger Jörg Sundermeier hat es auf den Punkt gebracht – oder
waren es doch Honoré de Balzac, Karl Kraus, Hermann Hesse und
Theodor W. Adorno? Als inhaltsleere „Enveloppe“, als Ornament,
das die Hohlheit der Phrase kaschiere (Kraus), ist das Feuilleton
Sinnbild jener „Entwürdigung, Käuflichkeit, Selbstaufgabe des Geistes“,
die das ‚feuilletonistische Zeitalter‘ (Hesse) charakterisiere.
Qualifizierte Kritik ersetze es durch „versierte Oberflächlichkeit“
(Adorno). Eine sich flüchtig und leichtsinnige gebende Stilgebärde,
die im Rausch des Augenblicks den Ausverkauf des Geistes inszeniere.
(Balzac) Und: „Manche festangestellten Literaturkritiker können
viel mehr über edle Schuhe oder gutes Essen sagen als über die
Qualität literarischer Texte.“ (Sundermeier) Der zweifelhafte Ruf des
Feuilletons ist so alt wie das Feuilleton selbst. Doch gerade das, was
seine Kritiker an ihm vor allem bemängeln, sein Oszillieren zwischen
Journalismus und Literatur, lässt in der tagesaktuellen Presse einen
ästhetischen Spielraum entstehen, der die Mechanismen des klassischen
Journalismus zu unterlaufen vermag.

Wie jedoch definiert sich die Rolle eines zukünftigen Feuilletons angesichts
der in der Printkrise zurückgehenden Umfänge der großen
Feuilletons? Wie kann das Feuilleton seine medialen Funktionen,
nämlich die Herstellung einer kritischen Öffentlichkeit, die Entwicklung
einer intellektuellen Debattenkultur, nicht zuletzt die fundierte
Auseinandersetzung mit Literatur, Musik, Bildender Kunst wahrnehmen?
Welche Formen von Kritik entstehen seit dem 21. Jahrhundert
und wie inszeniert sich speziell das Feuilleton als Ort der kulturellen
Selbstverständigung? Welche Rolle für eine mögliche neue
Debattenkultur spielen dabei die Blogs, Social Media und andere
digitale Plattformen?

Es diskutieren:
Doris Akrap (taz. die tageszeitung)
Ekkehard Knörer (Merkur)
Sigrid Löffler (ehem. profil, Die Zeit, ZDF)
Lothar Müller (Süddeutsche Zeitung)
Moderation: Colette Schmidt (Der Standard)

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